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ROBBIE BASHO - ARCHIV



Biografisches

 
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Robbie Basho

 
 

Was wäre die Musikgeschichte ohne jene prägenden "Legenden", die weltbekannten, aber eben auch die unzähligen, manchmal schon nahezu vergessenen...Als am 28. Februar 1986 im kalifornischen Berkeley der Gitarrist und Sänger Robbie Basho an den Folgen einer Behandlung eines Chiropraktikers verstarb, erlosch das Leben eines der ungewöhnlichsten Musiker der Akustik- Steelstring- Gitarrengeschichte seit der 60ern.

Dieses Archiv soll nach Möglichkeit kein stupides Daten- Verzeichnis sein. Alles kann nur Einblick oder Skizze sein -Nichts ist perfekt (oder wie der Buddhismus sagt: "Nichts ist jemals fertig.") Ich hoffe, es wächst Schritt für Schritt, um eine Fenster in das Leben und die Arbeit von Robbie Basho, Poet, "Vater" des "American Raga" und ein Champion von "Open Tuning" -Techniken zu öffnen. Vielleicht findet Mancher Neues, manchmal...oder hat Neues beizusteuern (Ich bin ständig auf der Suche nach Artikeln, Meldungen, Fotografien, Kassetten....für's Archiv).Unten, am Ende sind einige Links, über die man zu einer Reihe von Informationen gelangt. Weitere sind auf den Link- Seiten zu finden und wie 12string Legende Fred Gerlach sagen würde: "Help Yourself"....
Bitte erwähnen Sie dieses Archiv, wenn Sie Material nutzen, um es eine lebendige Quelle werden zu lassen!

In eben den 60ern waren es weiße, college- gebildete Gitarristen und Folk- Musik- Fans, die den frühen "Country- Blues" wiederentdeckten. Es bedurfte der Vision, des Talents, der Energie und Eigenständigkeit einiger weniger Pioniere, um eine bis heute andauernde neue Bewegung im akustisch- solistischen Gitarrenspiel zu starten. Einer der ersten und einflußreichsten Pioniere der Bewegung war neben dem "Auslöser" John Fahey, neben Sandy Bull & Davy Graham, der exzentrische Robbie Basho, der zudem Wegbereiter der sogenannten New-Age-Szene wurde, galt er doch gewissermaßen als Guru der "ethnischen Gitarrenschule". Er beeinflußte Windham Hill-Gründer. William Ackerman, Alex de Grassi, den frühen (und späteren "Multiplikator") Leo Kottke und viele andere Musiker.

Wer war Robbie Basho?

Geboren 1940 in Baltimore, Maryland, wurde Basho im Kindesalter adoptiert und nach dem Adoptivvater Daniel Robinson jr. benannt und wuchs in einer typischen Mittelklasse -Kindheit und Jugend auf. In seinen College- Jahren ein "Beatnik", begann er, sich für japanische Literatur zu interessieren, eigene Poesie zu schreiben, versuchte sich in der Malerei und im Flamenco- Gitarrenspiel. Die Gitarre wurde seine kreative Ausdrucksform und er änderte seinen Namen nach dem bekanntesten japanischen Haiku- Poeten des 17. Jahrhunderts, Matsuo Basho, in Robbie Basho und verstand sich fortan als Musiker.

Um 1960 war es eben John Fahey, der ihn zur Stahlsaitengitarre brachte. Basho begann, Country- Blues und Folk zu spielen und gelangte zur 12saitigen Gitarre. Der junge Leo Kottke hörte ihn und:" Es war die erste Twelve String, die ich hörte und er war der erste Spieler, den ich erlebte, der etwas ganz Eigenes mit seinen Fingern machte. Ich war beeindruckt."

1962 hörte Basho den Sitaristen Ravi Shankar und meinte später, danach sei nichts mehr wie vorher gewesen. "Ich lag in einem dunklen Raum und hörte stundenlang Shankars Platten, bis ich begriff, was da ablief. Ich hörte mit dem Blues auf, als ich in die Raga- Sache kam." Er beginnt, diverse exotische Gitarrenstimmungen zu entwickeln, ebenso ein eigenes System des Zusammenhangs von Akkorden, Stimmungen und Farben.

Nach einer ziemlich rastlosen periode in seinem Leben, die ihn mehrmals quer durch Nordamerika treibt, läßt er sich in Berkeley nieder-die Bucht wird seine Heimat. Er wird ein Anhänger des spirituellen Meisters Meher Baba und Schüler von Sarod- Meister Ali Akbar Khan. Sein Stil wird mehr und mehr eine schier unfaßbare Symbiose aus folkloristischen, Blues- und Flamencoelementen und Ergebnissen der Erforschung der Musik nordamerikanischer Indianer sowie hinduistischer, japanischer, chinesischer und orientalischer Tonfolgen. Seine Gitarrengemälde kreiert er nach dem Wesen, dem Klang oder Ton einer Region, eines Ortes, den er erhört hat - so ensteht sein Gitarren- Ragasystem für Nordamerika, wie etwa die essentiellen "A North American Raga" und "Rocky Mountain Raga". "Ich liebe die Freiheit in der Musik!" Oder er widmet der kanadischen Stadt Vancouver eine "Twelve String Sinfony", die "Lost Lagoon Suite", in der er chinesische, hinduistische und schottische Elemente verbindet. Andererseits entstehen auch klassiknahe Stücke, wie, z.B., das orchestrale "Cathedrals Et Fleur De Lis", eine der schönsten 12- String- Kompositionen schlechthin. Sein Anliegen ist, wie auch das Fahey's, die "American Guitar" als klassische Disziplin zu definieren, der akustisch- solistisch gespielten Stahlsaitengitarre auch ein Forum als Konzertinstrument zu geben.

Bis 1971 nimmt er sechs Alben für Fahey's TAKOMA- Label, dem wichtigsten frühen Meilenstein dieser Entwicklung auf, z.B. die exzellenten zwei "Falconer's Arm"- LP's und "Song of the Stallion"(und die unglaubliche, nahezu vergessene 16 minütige Tour de force "The Thousand Incarnations of the Rose" auf "Contemporary Guitar", welches vom Berkeley-Rosen-Garten -nicht weit von seinem Heim- inspiriert wurde), eine LP für BLUE THUMB und zwei für VANGUARD (1972, 1974), letztere eine indianische bzw. eine persische Gesamtfantasie, die sehr stark von seinem unglaublich ausdrucksstarken, elegischen Gesang (Adoptivmutter war Opernsängerin...)geprägt sind und wird zum "Guru der ethnologischen Gitarrenschule". Seine LP's haben generell Gesamtkonzepte.

Nach einer Pause von vier Jahren, in der sich kein Label für seine unkommerzielle, manchmal lang gewundene Musik fand, erscheinen seine zwei in Europa wohl bekanntesten LP's "Visions of the Country", ein "sinfonisches" Gemälde der nordamerikanischen Wildnis und "The Art of the Acoustic Steel String Guitar 6&12" bei Windham Hill, also beim ersten jener "new age"- Labels, für die er quasi Vorbereiter gewesen war. Letztlich war es neben Fahey gerade Robbie Basho, auf den sich ja auch Label- Gründer William Ackerman und der stilprägende Alex de Grassi als wesentlichen Einfluß beziehen. "Von meinem Standpunkt des Gitarrenspiels aus hat mich Niemand mehr beeinflußt," sagt Ackerman, "Dieses 4/4 Picking, das er das 'laufende Himalaja-Rondo' nannte, formte die Basis all meiner früheren Stücke". Das Aussehen und Feeling bei Windham Hill wurde von Robbie's Eigenart und Vision beeinflußt.

Diese 2 Alben ermöglichen ihm Tourneen durch verschiedene Länder. "Robbie war in der Lage, sich in seiner Musik bis über die Wolken zu erheben und von dort oben etwas mit herunterzubringen" erinnert sich Ackerman und de Grassi meint:" Er brachte mich in die Gitarrenraga- Sache. Er hatte diese sehr östliche, meditative, fließende Annäherung, bei der immer ein Bordunklang im Hintergrund ist". Inzwischen sind die klassischen Elemente intensiver geworden (Einflüsse von Grieg, Vaughan- Williams, Debussy, Wagner...). Doch später werden Basho's LP's aus rein kommerziellen Erwägungen aus dem WINDHAM HILL- Katalog gestrichen- für seine Musik gäbe es keinen Markt mehr.

Nach einem weiteren Album mit indianischem Hintergrund 1981(für das kleine "Bay Area" Label "Silver Label Recordings" -Übrigens wieder mit einem Cover von Frank Porpot, Kaliforniens bekanntestem Surrealisten, wie schon früher) kann er bis zu seinem Tod seine Projekte, wie die poetische Liedersammlung "Bouquet", das Instrumentalalbum "Twilight Peaks" nur noch als private Kassetten- Editionen herausgeben.

Basho, der mit seiner Musik, komplex und reich an Stimmungen, Klangfarben und Nuancen, nie ähnlich kommerziellen Erfolg wie Kottke, Ackerman oder de Grassi, ähnliche Bekanntheit wie Fahey erreichte, dies jedoch nicht neidete, erlangte in kleineren Fankreisen, nicht zuletzt durch seine einfache Philosophie "erst Seele, dann Technik" und seine Haltung, seine Musik für niemanden zu entmystifizieren, jedoch auch durch eine unglaublich atmosphärische Intensität in seine Konzerten Kultstatus. Als exzentrischer Musiker und Poet, mit bereits frühzeitig bestaunten spieltechnischen Fähigkeiten und unglaublicher Kreativität, schuf er in seiner Musik einen komplexen eigenen Mikrokosmos, dessen Philosophie er auch lebte und der ihn als einen Botschafter jener künstlerisch sowie philosophisch so reicher 60er und 70er ausweist. Er eröffnete auf seinen Gitarren (z.B. einer über 130 Jahre alten mexikanischen Twelve- String und einer 6- saitigen Wyman aus den 20ern) eine neue stilistische Palette, den "kalifornischen Gitarren- Impressionismus", war stilprägend für alle weiteren Entwicklungen der Acoustic Steelstring als zeitgenössisches Konzertinstrument und wurde durch seinen Tod in einer Phase, in der er, dem fehlenden Erfolg zu Trotz, an neuen Projekten arbeitete, aus dem Leben gerissen.

Mit den Jahren war es notwendig geworden, sich mit klassischer Komposition und Harmonielehre auseinanderzusetzen: "Die Ideen wurden zu groß für die Gitarre -ich mußte Piano lernen, um sie ausarbeiten zu können." Diese Werke schließen die Partitur für eine selbstbeschriebene "Sufi -Sinfonie" ("sieben Jahre Arbeit...") und eine für Piano und Orchester ein, die sich mit der Spanischen Kultur und dem Erscheinen des Christentums in Amerika auseinandersetzt und 4 Jahre Arbeit bedurfte. Robbie Basho's Alben umfassen alles von klassischer europäischer Kunst zu Songs vom alten Westen -er verwob Hindu-, chinesische und japanische Skalen und Modi mit persischen, arabischen oder indianischen Themen.

Bereits wenige Jahre nach seinem Tod waren all seine 15 Alben "out of print" -bis heute und so können Kenner und Neugierige nur Second-Hand-Läden bemühen,auf zwei WINDHAM HILL-Samplern einzelne Stücke entdecken,oder darauf vertrauen,daß,wie verlautet,bei Fantasy-Records in Berkeley neben Neuauflagen von Fahey's TAKOMA -LP's auch Neuauflagen von alten Basho -Aufnahmen geplant sind -was nicht nur den Gitarren -Fans Schätze bescheren würde.

Als 1986 die Asche seiner sterblichen Überreste in den Pazifik gestreut wurde,schloß sich gewissermaßen ein Kreis: Eine empfindende Seele,die einst von "Irgendwo" gekommen war,in 15 Konzeptalben ein eigenes Weltlied von Liebe und Friede gesungen und gespielt hatte,"ging" wieder nach "Irgendwo".

Steffen Basho-Junghans
Berlin,Feb.1996

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spezielle Quellen:

Interview mit Robbie Basho online:

    Robbie stellt Musik seines Vanguard Albums "Zarthus" (1974) vor und spricht mit Charles Amirkhanian über Weltmusikeinflüsse in seinen aktuellen Kompositionen und sein Interesse an Indianischer Musik.

Artikel/Specials online:



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